Der Ziontag begann früh, die anstehende Wanderung sollte länger werden und das erste Shuttle sollte meines werden. Im September fährt das erste Shuttle um 6:45 im Park, man kann aber auch das Express-Shuttle aus Springdale nehmen, das fährt so um 6:35 und ist dann identisch mit dem 6:45er im Park (also zum Verständnis: das Springdale Express-Shuttle fährt IN den Park, was die anderen ja nicht machen).

Ich bin aber mit dem Auto in den Park gefahren. Halbsieben am Visitorcenter, stockdunkel und keine Menschenseele – war schon seltsam! Im Shuttle waren dann doch tatsächlich auch schon 3 Frühaufsteher, außerhalb massenhaft Viecher auf der Straße Richtung Weeping Rock. Der Shuttlefahrer erzählte auch, dass das erste Shuttle bei den Fahrern sehr unbeliebt ist, da man ständig Getier vor der Nase hätte!

Die Wettervorhersage für diesen Tag war auch nicht wirklich prickelnd, oder auch genau richtig für ne längere Tour, wie man es eben sieht. Kachelmann meldete 60% Regenwahrscheinlichkeit. Hört sich das schlecht an? Nun, immerhin 40% Chance auf trocken ist so schlecht nicht  . Und nach 100% Sonne seit Ankunft, will man eh nicht klagen! Egal, ab geht’s…

Raus bei Weeping Rock und ab ging die Tour, aber wohin eigentlich? Eine Wanderung hatte ich schon länger auf der ToDo-Liste, sicher recht menschenleer und somit genau richtig für mich. Der Cable Mountain sollte bezwungen werden, eine Wanderung von ca. 16 Meilen mit einem Höhenunterschied von 2100 ft. Das gemeine an dieser Wanderung ist, dass man nach den 8 Meilen Hinweg zwar einige Höhenmeter hinter sich gebracht hat, aber trotzdem wieder genau am Ausgangspunkt seiner Wanderung steht (der Cable Mountain ist die senkrechte Felswand rechts vom Weeping Rock).

Es wurde langsam hell und somit war auch der holprige Untergrund Richtung Echo Canyon gut zu meistern. Bei diesem Weg frage ich mich eh ständig, wie viele Leute sich da schon die Haxen umgeknickt haben. Durch den Echo Canyon, noch ein Stück weiter, identisch mit dem Weg zum Observation Point.

Dann geht’s rechts ab zum East Rim. Durch herrliche Landschaft, erst noch felsig, um später (nach ca. 4 Meilen) auf einem Hochplateau (eben dem East Rim) zu stehen. Die Höhenmeter sind nun mehr oder weniger geschafft, der Hinweg aber noch lange nicht. Man muss nämlich um den kompletten Echo Canyon herum laufen und das dauert eben noch einmal knappe 4 Meilen, die aber durch eine komplett andere Landschaft führen, die man dem Zion eigentlich nicht zutrauen würde. Wälder und Wiesen durchquert man ...

...um dann bei den Überresten der Materialseilbahn zu stehen. Die Überreste sind in den letzten Jahren leider immer weniger geworden und so hat man jetzt begonnen das alte Teil zu restaurieren. Diese Arbeiten waren gerade im Gange und auch schon mächtig fortgeschritten!

Die Aussicht vom Cable Mountain ist sicher nicht so spektakulär wie von Angels Landing oder dem Observation Point, dafür ist der senkrechte Tiefblick viel beeindruckender (ging zumindest mir so). Man sieht einen großen Teil der Strecke zum OP inclusive der Slotpassage im Echo Canyon.

Auf dem CM habe ich dann erstmal gefrühstückt. Ein leckerer Cliffbar Blueberry und ein Fläschchen Danonewasser, mehr hatte ich nicht dabei! Die Arbeiter am CM waren übrigens die einzigen menschlichen Wesen, die ich seit meinem Start gesehen hatte. Auf dem Rückweg kamen mir einige Wanderer auf dem East Rim entgegen. Diese kamen aber nicht von unten, sondern wählten den Chicken Way, der ohne Höhenmeter auskommt. Trotzdem hatten sie mit Sicherheit den gleichen Ausblick ;-)

 

Einsam war der Rückweg übrigens nur bis zur Kreuzung mit dem Wanderweg zum OP. Dort erwartete mich dann wieder das ganze Ausmaß der Zionüberbevölkerung. Was sich dort den Buckel hoch quälte war nicht mehr normal. Nicht nur die Anzahl, auch der Zustand der Spaziergänger war größtenteils erschreckend. Da wundert einem es auch nicht, wenn man von Todesfällen beim wandern hört, da brauchts nicht mal Angels Landing! Sicherlich ist es nicht gerade gesund, mit nur nem halben Liter Wasser auf so ne Wanderung zu gehen (egal ob OP oder CM), aber wenn ich 4 Liter mitschleppe und durch das Zusatzgewicht nach 10 Minuten schon auf dem Zahnfleisch gehe, bringts das ja auch nicht. Na ja, mir kann es ja egal sein…

 

Fazit

 

16 Meilen müssen erst einmal gelaufen sein. Vor allem der Hinweg scheint nicht enden zu wollen! Für den geübten Wanderer gut an einem Tag zu schaffen, aber unterschätzen sollte man die Tour nicht. Der Weg zum Observation Point ist viel einfacher zu gehen!

 

Offiziell ist die Tour eine lange Eintagestour (10 Stunden), oder eine 2-Tagestour mit Übernachtung am Gerüst der Seilbahn. Ich gehe davon aus, dass die 10 Stunden nicht zu langsam geschätzt sind.


Also nochmal, wenn jemand die Tour machen möchte:
Die Tour ist wegen der Länge nicht zu unterschätzen, früh los und wirklich gute Berg-Kondition, dann klappts mit dem Cable Mountain. Egal ob man 3, 4 oder 5 Stunden braucht, es gibt Zwischenanstiege, die rauben einem den letzten Nerv und wenn man dann erstmal die Höhe hat, lacht einem ein Schild entgegen auf dem steht - Cable Mountain 3,5 Meilen...

 
Aber hier ist der Weg das Ziel und jeder Schweißtropfen ist es wert! 

 

Und wer jetzt wissen will, wie lange ich gebraucht habe! Was würde euch die Antwort bringen? Ich renne einen Berg eher hinauf als das ich laufe, also vergesst eure Frage!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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